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Newsdetail

Armutsrisiko nimmt mit Kindern zu

(27.06.2007)

Trotz wirtschaftlichem Aufschwung hat sich die Sozialhilfequote in der Schweiz weiter erhöht. Beinahe ein Drittel der Sozialhilfebezüger ist unter 18 Jahre alt. Überdurchschnittlich oft geraten allein Erziehende in Armut.

Während Rentnerinnen und Rentner aufgrund der Alterssicherung kaum mehr auf Sozialhilfe angewiesen sind, gehören Kinder und Jugendliche (bis 17 Jahre) zu einer Risikogruppe: Sie sind unter den Sozialhilfe beziehenden Personen mit einem Anteil von 31 Prozent deutlich übervertreten, wie die Auswertung des Bundesamtes für Statistik (BFS) zeigt. Ihr Anteil an der Bevölkerung beträgt nur 21 Prozent.

Allerdings ist das Sozialhilferisiko stark von der Familienform abhängig. Besonders gefährdet sind Kinder und Jugendliche, die mit einem Elternteil oder in kinderreichen Familien aufwachsen, wie das BFS schreibt. Generell steigt das Armutsrisiko mit der Anzahl Kinder im Haushalt. Besonders hoch ist die Sozialhilfequote bei ausländischen Kindern zwischen 10 und 15 Jahren - sie liegt da bei etwa 9,5 Prozent. Bei Schweizer Kindern dieser Altersstufe liegt sie bei etwa drei Prozent.

Bei Ausländern liegt die Sozialhilfequote generell höher als bei den Schweizern. Rund 43,8 Prozent aller Sozialhilfeempfänger sind Ausländer, während ihr Anteil an der Wohnbevölkerung knapp 21 Prozent beträgt. Gemäss BFS gibt es dafür mehrere Ursachen: Einerseits ist die berufliche Qualifikation von Ausländern oft schlechter, was ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt schwinden lässt. Weiter arbeiten Ausländer oft in Tieflohnbranchen wie im Gastgewerbe und leben häufiger in grösseren Familien.

Stadt-Land-Gefälle

Insgesamt hat sich 2005 im Vergleich zu Vorjahr die Sozialhilfequote weiter erhöht. Im Berichtsjahr waren rund 237?000 Personen auf staatliche Unterstützung angewiesen, während es 2004 rund 220?000 waren. Damit kletterte die Sozialhilfequote trotz Wirtschaftsaufschwung von 3 auf 3,3 Prozent.

Dabei zeigt sich ein markantes Stadt-Land-Gefälle: Während die Quote in städtischen Zentren 5,3 Prozent betrug, lag sie in ländlichen Gemeinden mit 1,4 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt. Ein Viertel der Sozialhilfebezüger lebt in den fünf grössten Schweizer Städten Zürich, Genf, Basel, Bern, Lausanne.

Eine überdurchschnittlich hohe Sozialhilfequote verzeichnen die Kantone BS, VD, NE, ZH, GE und BE, während die Sozialhilfequote in den ländlicheren Kantonen deutlich unter dem Durchschnitt liegt.

Jugendliche ohne Berufsausbildung stark gefährdet

Problematisch ist laut dem BFS das vergleichsweise hohe Sozialhilferisiko der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren. Mit einer Quote von 4,5 Prozent lag diese Altersgruppe deutlich über dem Durchschnitt. In den Städten betrug sie sogar 7,3 Prozent.

Vor allem Jugendliche ohne Berufsausbildung droht die Abhängigkeit vom Staat: Rund 70 Prozent der Betroffenen haben keine Berufsausbildung. Das BFS warnt in diesem Zusammenhang von einem «dauerhaften Problem», zumal in dieser Altersgruppe auch die Arbeitslosen- und Erwerbslosenquote überdurchschnittlich hoch seien.

Allein Erziehende und Geschiedene häufiger betroffen

Überdurchschnittlich oft geraten laut dem BFS allein Erziehende in Armut: Fast 17 Prozent der Haushalte mit nur einem Elternteil bezog 2005 Sozialhilfe. Grund dafür ist oft die finanzielle Belastung durch die Kinderkosten, verbunden mit Aufwendungen für die Trennung oder Scheidung.

Zudem sei die volle Erwerbsarbeit wegen der Kinderbetreuung oft nicht möglich. Auch der Zivilstand hat einen Einfluss auf die finanzielle Abhängigkeit: Geschiedene oder ledige Paare beziehen häufiger Sozialhilfe als verheiratete Paare.

Ziel der Sozialhilfe ist das möglichst rasche Wiedererlangen der wirtschaftlichen Selbstständigkeit und die rasche gesellschaftliche Wiedereingliederung. Die Daten deuten jedoch darauf hin, dass eine Unterstützung oft lange gewährt werden muss.

Mehr als die Hälfte der Sozialhilfefälle werden seit mehr als einem Jahr mit Leistungen unterstützt. Knapp 15 Prozent erhalten gar seit über vier Jahren Sozialhilfe. (ret/ap/sda)

Quelle: 20 Minuten vom 27. Juni 2007

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