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Newsdetail

Die fetten Sparschweine der Rentner

(22.04.2006)

In der Schweiz findet die grosse Umverteilung statt. Die Geldpolster der ältereren Generation werden immer dicker. Den Preis zahlen die Jungen.

Wer noch immer glauben sollte, dass Rentnerinnen und Rentner bemitleidenswerte Geschöpfe sind, muss über die Bücher. Die eben erst veröffentlichte Analyse über die Zürcher Steuerdaten 1991 bis 2003 lehrt eine andere Realität. Von den etwa 235 Milliarden Franken Vermögen, die im Jahr 2003 im Kanton Zürich versteuert wurden, stand mehr als die Hälfte unter der Kontrolle der über 64- Jährigen.

Diese 20 Prozent aller Steuerpflichtigen verfügten über 53 Prozent der deklarierten Vermögenswerte, also über 125 Milliarden Franken. Die Steuerauswertung des Statistischen Amtes des Kantons Zürich kennt weitere Zahlen, die belegen, dass das grosse Geld heute von der älteren Generation verwaltet wird. 22 Prozent der Mehrpersonenhaushalte, in denen de! r Ehemann über 64 Jahre alt ist, versteuern mehr als 1 Million Franken Vermögen. Bei den unter 65- Jährigen derselben Tarifklasse gibt es nur 6 Prozent Vermögensmillionäre.

Diese Zahlen sagen nichts aus über die Befindlichkeit einzelner Haushalte. Auch wenn das steuerbare Gesamtvermögen der älteren Generation hoch ist, gibt es alte Menschen, die in Armut leben. Immerhin zeigt die Zürcher Steuerstatistik aber, dass 69 Prozent der Rentnerinnen und Rentner, also eine gute Zweidrittelmehrheit, Vermögenssteuern bezahlen. Bei den unter 50- Jährigen sind es nur 19 Prozent. Das belegt, dass eine klare Mehrheit der Alten vermögend ist und dass die Gleichung «alt gleich arm» nichts mehr mit der Wirklichkeit gemein hat.

Die Vermögen der Alten explodierten

Wenn schon, dann stimmt eher das Gegenteil, «alt gleich reich» . Mit Sicherheit aber lässt sich sagen, dass die Alten über markant mehr Vermögen als die junge und die mittlere Generation verfügen.! Selbst Peter Moser, Forschungsleiter des Statistischen Amtes! des Kantons Zürich und Verfasser der Studie, spricht von einer «enormen Vermögensexplosion zwischen 50 und 70» . Und er fügt bei: «Dieses Ausmass war mir so nicht bewusst.» Die statistische Untersuchung stellt fest, dass zwischen 1991 und 2003 die Vermögen jener am stärksten zugenommen haben, die zwischen 1932 und 1946 geboren wurden und die in Mehrpersonenhaushalten lebten. Ihre Vermögen haben sich in dieser Periode beinahe vervierfacht. Die Analyse schliesst daraus: «Die steuerbaren Vermögen entstehen zwischen dem 55. und dem 70. Altersjahr.»

Zur Erklärung werden drei Gründe aufgeführt:

  Die Einkommen in Mehrpersonenhaushalten sind in diesem
    Lebensabschnitt am höchsten. Die Ausgaben für die Kinder
    nehmen gleichzeitig ab, weil diese den Haushalt verlassen.

  Die Belastung durch Schulden nimmt ab. Augenfällig ist das
    bei Hypothekarschulden, die sich durchschnittlich von den
    mittleren zu den ältesten Altersklassen von gegen 50 bis zu
    unter 10 Prozent der Aktiven verringern.

  Ein Grossteil der Erbschaften fällt in dieser Lebensphase an.
    Parallel zur gestiegenen Lebenserwartung steigt das Alter der
    Vererbenden und der Erbenden.

Begünstigt wurde die Vermögensbildung der Habenden in den 90er- Jahren auch durch die boomende Börse. Diese Vermögensbildung wurde allerdings durch das Platzen der Blase mindestens teilweise korrigiert. Die Einführung des Pensionskassenobligatoriums Anfang 1985 wirkt sich zwar weniger auf die Vermögensbildung aus, verbessert aber die Einkommensentner. Das führt in vielen Fällen dazu, dass die vor der Pensionierung gebildeten Vermögen nicht angetastet werden müssen. Oder wie die Studie formuliert: Die Betagten müssen sich in der Regel nicht «ans Eingemachte» machen.

Die produktive Generation zahlt

Anders sieht es bei jenen aus, die immer noch im Erwerbsleben stehen. Gemäss Peter Moser hat sich die Einkommenssituation d! ieser mittleren Altersgruppe inflationsbereinigt seit 15 Jahren nicht verbessert. Unter anderem, weil sie mit steigenden Zwangsabgaben etwa Beiträge an Pensionskassen oder Krankenkassenprämien immer stärker belastet sind. Laut Moser eine problematische Entwicklung:« Die Einkommen der produktiven Leute stagnieren, nicht zuletzt deshalb, weil immer noch relativ stark zu den Pensionierten umgeschichtet wird.» Die Studie nennt zwei weitere Gründe, welche die Altersvermögen anwachsen lassen. Es ist erstens das sparsame Leben vieler älterer Menschen in der Absicht, ihren Nachkommen etwas vererben zu wollen. Zweitens gehören die heutigen Alten zur Generation der «Vorsichtssparer» .

Man fürchtet das Risiko, im hohen Alter zu verarmen. Unklar ist, ob sich kommende Generationen im Alter ähnlich verhalten werden oder ob aus den heutigen «Übersparern» künftige «Untersparer» werden.

Quelle: Tagesanzeiger vom 22. April 2006


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