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Newsdetail
Die Goldküste können Sie glatt vergessen |
(21.06.2006) |
| Wer kühl rechnet, hat am See oder in Zürich nichts verloren. In Opfikon oder Rümlang bleibt viel mehr Geld zum Leben übrig. |
Benno Zwissig* ist Single und verdient mit 75 000 Franken brutto leicht überdurchschnittlich. Dazu hat er ein Vermögen von 50 000 Franken gespart. Er wohnt in einer 60- Quadratmeter- Wohnung mitten in Zürich. Nach Abzug der Zwangsabgaben, der Kosten für die Wohnung und den Prämien für die Krankenkasse bleiben ihm 39 100 Franken zum Leben. Zwissig ist das zu wenig. Er möchte sein frei verfügbares Einkommen optimieren und denkt deswegen ans Zügeln. « In Zürich liegt der Steuerfuss bei 122 Prozent » , denkt er sich. « In Zollikon aber nur bei 72 Prozent. Da kann ich gutes Geld sparen und bin immer noch ganz nah an der Stadt. » An sich ein vernünftiger Gedanke von Zwissig, würde man meinen. Er greift aber zu kurz. Denn wie eine neue Studie** der Credit Suisse zeigt, sind Steuern nicht alles. Würde Zwissig tatsächlich in eine gleichwertige Wohnung in Zollikon ziehen, stünden ihm unterm Strich statt 39 100 bloss noch 38 500 Franken zur freien Verfügung - ein Minus von 1,5 Prozent. Trotz massiv günstigeren Steuern und tieferen Prämien für die Krankenkasse wäre er an der Goldküste ärmer dran. Opfikon: Neues Paradies für Reiche Ganz anders dagegen ist die Situation für das reiche Doppelverdiener- Ehepaar Lehr*. Würden sie ihr schönes Einfamilienhaus in Zumikon aufgeben und stattdessen ein ebenso tolles Objekt in Opfikon beziehen, stünde den Lehrs mehr als doppelt so viel Geld frei zur Verfügung. Und die Lehrs sind kein rechnerischer Einzelfall. Auch das Ehepaar Roth* mit seinen zwei Kindern würde von einem Umzug von Zumikon nach Opfikon massiv profitieren. Sie könnten ihr frei verfügbares Einkommen um über 30 000 Franken oder gut 80 Prozent verbessern. Der Umzug würde den Roths jedes Jahr locker die Ferien finanzieren - oder ein neues Auto. « Für die Beurteilung der finanziellen Attraktivität eines Wohnorts reicht ein Steuervergleich nicht aus » , sagt Martin Neff von der CS- Forschungsabteilung. « In einigen Agglomerationsgemeinden hat die Zuwanderung die Immobilienpreise nämlich bereits so stark steigen lassen, dass die Steuervorteile damit mittlerweile bereits kompensiert worden sind. » Er rät den Wohnungssuchenden deshalb, nicht bloss die Steuerkomponenten im Auge zu haben. Rein monetäre Perspektive Natürlich ist sich die CS bewusst, dass ihr Vergleich der frei verfügbaren Einkommen nicht die ganze Wahrheit bei der Suche nach einem idealen Wohnobjekt darstellt. « Wir haben nur die rein monetäre , sagt Neff. Dies unterstellt, dass weder Lärm, Einkaufsmöglichkeiten, Seesicht, Besonnung, Verkehrsanbindung, Schulen noch ein gut ausgebautes Kulturangebot bei der Wahl der Wohnung eine Rolle spielen. Und diese Unterstellung greift natürlich ebenso zu kurz wie eine rein steuerliche Betrachtungsweise. Wenn aber beispielsweise das Grossverdienerehepaar Lehr sich überlegt, in Thalwil, Rüschlikon oder Kilchberg ein Haus zu kaufen, sollten sie rechnen wie die Credit Suisse. Schliesslich geht es um vergleichbare Gemeinden - und um eine finanzielle Differenz von 18 500 Franken im Jahr. Die CS- Studie beschränkt sich nicht auf die Agglomeration Zürich. Die Bank hat rund 2900 Schweizer Gemeinden in allen Kantonen untersucht. Appenzell Innerrhoden ist danach zumindest finanziell der attraktivste Wohnkanton der Schweiz. Es folgen Schwyz, Nidwalden, Glarus und Zug. Am anderen Ende der Rangliste liegen Genf, Basel- Stadt, Basel- Landschaft, die Waadt und Neuenburg. Der Kanton Zürich schafft es auf Platz 20. Seine Attraktivität liegt leicht unter dem Schweizer Schnitt. Von den grossen Zentrumskantonen klassiert er sich aber am besten, weil die Steuern moderat sind. Gleiches gilt für die Stadt: Im Vergleich zu allen Gemeinden ist Zürich unterdurchschnittlich attraktiv, unter den grossen Städten ist Zürich aber top. |
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