Home
Email
Sitemap
Sprache: 
DE | FR | IT
Suche: 
Search Button

INTRUM JUSTITIA AG
ESCHENSTRASSE 12
8603 SCHWERZENBACH
TEL +41 (0)44 806 56 56
FAX +41 (0)44 806 56 60
INKASSO@CH.INTRUM.COM
INTRUM JUSTITIA SA
CASE POSTALE 6543
1002 LAUSANNE
TEL +41 (0)21 643 70 40
FAX +41 (0)21 646 02 75
INKASSO@CH.INTRUM.COM
 

Newsdetail

Senioren in der Schuldenfalle

(16.10.2006)

Von reichen Rentnern ist oft die Rede. Doch es gibt auch andere: Verschuldete Senioren, die betrieben werden. Laut Fachleuten ein zunehmendes Phänomen, vor allem in Städten.

Immer im August kommen im Kanton Bern die Zahlungsbefehle für geschuldete Steuern. Und danach hat Erica Stalder viel zu tun: Sie berät im Auftrag von Pro Senectute in der Region Bern ältere Frauen und Männer in Finanzangelegenheiten. «Die meisten Leute kommen erst im letzten Moment», sagt sie. «Denn gerade ältere Menschen schämen sich oft, wenn sie in Schulden geraten.» Dass dies in den letzten Jahren zunehmend auch Senioren widerfährt, steht für die Sozialarbeiterin ausser Frage: «Die Fälle häufen sich.»

Ein Indiz dafür liefert die interne Statistik: Fast jede zweite Beratung bei der Pro Senectute Region Bern dreht sich um finanzielle Fragen. 46 Prozent waren es letztes Jahr; 2002 waren es nur 39 Prozent. «Das zeigt», erläutert Stalder, «dass es neben den vielen gut situierten Rentnern eine wachsende Gruppe von Senioren gibt, die Mühe haben, mit ihrem Einkommen den Lebensunterhalt zu bestreiten.»

Die Steuern gehen vergessen

Eine Beobachtung, die andere Betreibungsbeamte stützen. Roland Isler, Präsident des Zürcher Betreibungsbeamtenverbands, stellt fest: «Wir müssen vermehrt Verfahren gegen ältere Leute einleiten.» Zwar seien die verschuldeten Jungen immer noch das weit grössere Problem, räumt Isler ein, der in Winterthur auf eine über 20-jährige Berufserfahrung zurückblickt. Aber früher habe er es kaum mit zahlungsunfähigen Rentnern zu tun gehabt - heute immer mehr. Praktisch identisch klingt es beim Betreibungsamt der Region Aarau und bei jenem im Zürcher Kreis 5.

Auch in Bern registriert der Betreibungsbeamte Anthony Müller, «dass unter den Schuldnern etliche AHV-Rentner sind und dass diese zunehmend Mühe haben, ihre Steuern und Krankenkassenprämien zu bezahlen». Seiner Erfahrung nach ist es nicht der Kauf von Luxusprodukten, der die Rentner in finanzielle Engpässe treibt, sondern sind es die steigenden Gesundheitskosten und die Abgaben an den Staat. «Oft schaffen sie es knapp, ihre laufenden Ausgaben zu berappen. Wenn dann Ende Jahr die Steuern anstehen, ist nichts mehr da.»

Die Steuern und die Gesundheitskosten sind ein wesentlicher, aber nicht der einzige Grund, weshalb Rentner in die Schuldenspirale geraten. Viele Leute seien sich nicht bewusst, dass sie mit der Pensionierung in eine neue Lebensphase eintreten, in der sie gewöhnlich weniger Geld zur Verfügung haben als vorher, erzählt Daniel Wirz von Pro Senectute Zürich. «Etliche versäumen es, ein seriöses Budget zu erstellen. Und leben einfach weiter wie bisher. Oder auf noch grösserem Fuss, denn nun haben sie viel mehr Zeit, Geld auszugeben.»

Vor allem allein Stehende seien gefährdet, beobachtet der Zürcher Betreibungsbeamte Thomas Zeller: Um der Einsamkeit zu entfliehen, würden sie beispielsweise häufig im Restaurant essen. Doch das geht schnell ins Geld. Auch die Basler Pro-Senectute-Beraterin Annelies Schudel kennt das Problem aus eigener Anschauung: «Viele Senioren sind fit und unternehmungslustig. Sie möchten teilhaben am Leben und am Konsum, was ja von der Werbung auch erkannt wurde.» Sie hat immer wieder mit Menschen zu tun, die sich ihre Pensionskassengelder als einmaliges Kapital auszahlen liessen, statt sie als Rente zu beziehen. «Damit lässt sich ein paar Jahre lang üppig leben. Doch wenn das Vermögen aufgebraucht ist, kommt das böse Erwachen - sie müssen mit der AHV alleine auskommen.»

Umso schlimmer, als diese Rentner keinen Anspruch auf Ergänzungsleistungen haben. Denn bei deren Berechnung werden alle Vermögenswerte, also auch jene, die bereits aufgebraucht sind, mitgezählt. Die Betroffenen können höchstens noch ihre Bedürftigkeit bei der Fürsorge anmelden - für die allermeisten ein belastender sozialer Abstieg. Und für einige der Anfang der Verschuldung.

Vermögen an Kinder verschenkt

Eine ähnliche Schuldenfalle droht jenen Senioren, die ihre erwachsenen Kinder unterstützen. Was laut Fachleuten nicht selten vorkommt: Die Eltern verschenken beispielsweise ihr Haus. Oder sie vererben den Jungen bereits einen Teil des Vermögens. «Ich hatte sogar einen Klienten, der kurz vor der Pensionierung noch einen Kredit aufnahm, um seinem gestrauchelten Sohn über die Runden zu helfen», erzählt der Winterthurer Betreibungsbeamte Roland Isler. Doch auch sie erhalten, sollten sie später schlingern, keine Ergänzungsleistungen. Denn Schenkungen werden als Vermögenswerte angesehen. «Schenkungen mit grossen Beträgen sind deshalb keine gute Sache», betont Beraterin Annelies Schudel. «Wir raten dringend davon ab.»

Und dann sind da noch jene älteren Menschen, die bereits mit Altlasten in die Pensionierung übertreten. In den Neunzigerjahren haben die Firmen im grossen Stil Personal abgebaut - etliche der über 50 Jährigen fanden keine Stelle mehr, wurden ausgesteuert, gerieten in die Schuldenspirale. Oder sie versuchten, sich mit Hilfe der Pensionskassengelder selbstständig zu machen - was wegen der anhaltenden Konjunkturflaute selten gelang. «Nun ist die zweite Säule weg, und stattdessen stehen die Leute vor einem Schuldenberg», sagt Markus Hoby, der in der Ostschweiz Schuldenberatungen durchführt.

Es bleibt beim Verlustschein

Noch haben längst nicht all diese Personen das Rentenalter erreicht. Insofern kann sich Hoby vorstellen, dass das Phänomen der Altersverschuldung künftig zunimmt. Das sehen auch die Betreibungsbeamten so. «Das Thema wird uns wohl noch intensiv beschäftigen», sagt der Präsident des Zürcher Verbands, Roland Isler. Zumal der Druck von den Gläubigern wachsen dürfte.

Denn sie gehen bei solchen Betreibungen häufig leer aus: Schuldensanierungen bei vermögenslosen Senioren seien ein schwieriges, oft gar unmögliches Unterfangen, berichten die Pro-Senectute-Beraterinnen. Die Rentner und Rentnerinnen haben in der Regel keine Möglichkeit, ihr Einkommen zu erhöhen. Und die AHV darf nicht gepfändet werden, also gebe es auch für die Betreibungsbeamten meist nichts zu holen, sagt Thomas Zeller. Einrichtungsgegenstände nehmen sie kaum je mit. Ausser bei Designermöbeln ist der Ertrag dafür zu klein. Einzig Schmuck könnte noch verpfändet werden.

Doch der Winterthurer Betreibungsbeamte Roland Isler hat schon mehrmals feststellen müssen, «dass die Betroffenen ihren Schmuck bereits vorher verkauft hatten. Nicht, um sich einer Pfändung zu entziehen, sondern, um leben zu können.» Und so bleibt den Beamten meist nur, einen Verlustschein auszustellen.

Quelle: Tagesanzeiger vom 16. Oktober 2006

News
(01.11.2010)
Bringen Sie Fairness in die Familienkasse
 weiter
(15.10.2010)
Locken Banken Junge in die Schuldenfalle?
 weiter
(25.01.2009)
«Der Aufschwung kommt frühestens 2010»
 weiter
(01.09.2008)
Wenn Kaufen zur Sucht wird
 weiter
(01.09.2008)
Zahl der Firmenpleiten steigt weiter
 weiter
(26.08.2008)
Schulden verhindern - Viele Jugendliche verschulden sich
 weiter
(09.05.2008)
Das Betreibungsregister sagt nicht die ganze Wahrheit
 weiter
(03.10.2007)
Lehrer sollen über Schuldenfalle informieren
 weiter
(28.06.2007)
Härtere Zeiten für säumige Prämienzahler
 weiter
(27.06.2007)
Armutsrisiko nimmt mit Kindern zu
 weiter
(19.06.2007)
38 Prozent der jungen Deutschschweizer mit Schulden
 weiter
(29.05.2007)
Kreditkarte als Schuldenfalle
 weiter
(07.03.2007)
Jugendverschuldung - ein Abbild der Erwachsenenwelt
 weiter
(06.02.2007)
Neu: Schweizer Schuldner Index
 weiter
(01.02.2007)
Swiss School Award: neu mit Andreas Küttel und Stefan Broger
 weiter
(10.01.2007)
Weniger Firmenkonkurse
 weiter
(08.01.2007)
Lücken in den Betrieben
 weiter
(08.01.2007)
Plastikgeld ohne Ende
 weiter
(19.12.2006)
Wenige besitzen viel Vermögen
 weiter
(19.12.2006)
Travailsuisse schimpft über «mickrige Lohnerhöhungen»
 weiter
(14.12.2006)
Ständerat: Verzicht auf freie Arztwahl wird nicht belohnt
 weiter
(08.11.2006)
Schuldenfalle (10vor10)
 weiter
(16.10.2006)
Senioren in der Schuldenfalle
 weiter
(05.10.2006)
Kaufsucht ist nicht typisch weiblich
 weiter
(01.09.2006)
Verträge: So kündigen Sie richtig
 weiter
(21.06.2006)
Die Goldküste können Sie glatt vergessen
 weiter
(21.06.2006)
Der grosse Traum vom schnellen Geld ist problematisch
 weiter
(23.05.2006)
Finanzunterricht» soll in Zürich Schulfach werden
 weiter
(25.04.2006)
Das Luftibus-Prinzip
 weiter
(22.04.2006)
Die fetten Sparschweine der Rentner
 weiter
(24.03.2006)
Einheitslook im Klassenzimmer
 weiter
(20.03.2006)
Pensionskassen: Sanieren statt mehr Rente
 weiter
(13.02.2006)
Wer Pflege braucht, riskiert zu verarmen
 weiter
(23.01.2006)
Viele Kinder erben Armut der Eltern
 weiter
(03.01.2006)
So wird 2006
 weiter
(07.12.2005)
Jung, trendig und verschuldet
 weiter
(24.11.2005)
Starke Zunahme von Konsumkrediten
 weiter
(10.11.2005)
Prämien für Krankenkassen belasten Schweizer Haushaltbudgets
 weiter
(28.09.2005)
Krankenkassenprämien steigen um über 5%
 weiter
(16.09.2005)
Jeder fünfte Jugendliche betrieben
 weiter
(08.08.2005)
Schuldenfalle: Trau keinem unter Dreissig
 weiter
(02.08.2005)
Die Probleme beginnen mit 18 (über Geld und Jugendverschuldung)
 weiter
(21.06.2005)
Tessiner, Städter und Welsche zahlen am schlechtesten...
 weiter
(16.06.2005)
Schweizer Haushalte achten mehr aufs Geld...
 weiter
(02.06.2005)
Armut trifft nicht nur unterste Schichten...
 weiter
COPYRIGHT 2004 INTRUM JUSTITIA ALL RIGHTS RESERVED PLEASE READ DISCLAIMER
WEBDESIGN & CMS BY INM AG