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Newsdetail

Travailsuisse schimpft über «mickrige Lohnerhöhungen»

(19.12.2006)

Der Wirtschaft geht es prächtig, die Löhne steigen aber nur verhalten. Die Arbeitgeber zahlen lieber einen Bonus, statt die Saläre klar anzuheben.

Die neue Umfrage der Dachgewerkschaft Travailsuisse zeigt ein erstes, differenzier­tes Bild der Lohnabschlüsse. Einige Firmen erhöhen auf das nächste Jahr die Gehälter beträchtlich. So verspricht etwa der Che­miekonzern Roche eine Erhöhung der Lohnsumme um 3,1 Prozent. Andere Bran­chen wiederum kommen nicht vom Fleck. So sind zum Beispiel die Verhandlungen bei den Coiffeuren für einen neuen Ge­samtarbeitsvertrag gescheitert. Und im Bauhauptgewerbe gibt es - trotz voller Auf­tragsbücher - noch keine Einigung darüber, um wie viel die Löhne steigen sollen.
Dabei läuft die Wirtschaft so gut wie seit Jahren nicht mehr. Experten erwarten für dieses Jahr ein Wachstum von 2,7 bis 3 Pro­zent. Viele Unternehmen publizieren er­freuliche Zwischenabschlüsse und rosige Gewinnaussichten. Die Rahmenbedingun­gen für die Lohnverhandlungen wären des­halb grundsätzlich gut.
Umso enttäuschender sieht der Dach­verband die Resultate dieses ersten Über­blicks: «Wir beurteilen die Lohnab­schlüsse für das Jahr 2007 als nicht berau­schend », sagt die Chefökonomin von Tra­vailsuisse, Susanne Blank. Die Arbeitgeber seien bei ihren Mitarbeitern auch im kom­menden Jahr knausrig. «Die Aktienkurse sind in der Schweiz um 12 Prozent gestie­gen. Die Managerlöhne wurden 2005 im Durchschnitt um 30 Prozent erhöht. In diesem Licht erscheinen die Lohnerhö­hungen von 1,5 bis 2,5 Prozent als mickrig», schimpft die Gewerkschafterin.

Real bleiben 0,4 Prozent übrig
Der Bund rechnet für dieses Jahr mit ei­ner Teuerung von 1,1 Prozent. Das heisst, bei einer Erhöhung von 1,5 Prozent bleiben gerade noch 0,4 Prozent als wirkliche Lohnerhöhung. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 mussten die Arbeitnehmer eine Real­lohneinbusse von 0,2 Prozent hinnehmen. Und 2004 war es eine Nullrunde.

«Bonuszahlungen nicht erfasst»
Der Direktor des Arbeitgeberverban­des, Thomas Daum, sieht in der «modera­ ten Erhöhung der Löhne» hingegen einen Vorteil. «So werden die Lohnkosten im nächsten Wirtschaftabschwung für die Schweizer Unternehmen nicht allzu rasch zu einem Handicap», sagt Daum. Ausserdem gebe die Lohnstatistik der letzten Jahre die Lohnerhöhungen ver­zerrt wieder: «Die Einmal-Zahlungen sind darin nicht erfasst», sagt Daum.
Gerade Boni sind ein beliebtes Mittel der Kompensation. «Wir beobachten ver­mehrt, dass Firmen es vorziehen, auch ge­wöhnlichen Mitarbeitern einen Bonus zu zahlen, anstatt ihnen eine dauerhafte Lohnerhöhung zu gewähren», sagt Ge­werkschaftsökonomin Blank.


Quelle: Tagesanzeiger vom 19. Dezember 2006

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