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Sackgeld: einige Erfahrungswerte

Haben Sie bereits über das Sackgeld gesprochen?

Ihr Kind hat soeben den ersten Schultag hinter sich. Es hat in der Klasse und auf dem Pausenplatz neue Kameraden kennen gelernt  und dabei unter anderem festgestellt, dass Erika pro Monat 2 Franken und Jason sogar deren 9 erhält.

Niemand ist verpflichtet seinen Kindern Taschengeld zu zahlen. Der Umgang mit den Finanzen muss jedoch wie alles andere im Leben erlernt werden. Bereits mit einem kleinen Sackgeld kann Ihr Sohn oder Ihre Tochter seine ersten Schritte in die finanzielle Unabhängigkeit machen. Damit diese Unabhängigkeit auch wirklich erlernt werden kann, sollten die Eltern nur im Ausnahmefall (z.B. bei einem Wertekonflikt) betreffend Ausgabeverhalten intervenieren. Vertrauen und Kommunikation bilden die Grundlage einer guten Beziehung zwischen Kindern und Eltern.

Aber Achtung! Sackgeld ist kein Lohn. Grössere Hausarbeiten wie den Rasen mähen oder das Auto waschen sollten je nach finanziellem Spielraum extra bezahlt werden (z.B. mittels monatlichem Fixum).

Wie soll man sich nun verhalten, wenn der Junior regelmässig nach finanziellen Zuschüssen bittet? Man kann schon das eine oder andere Mal "ja" sagen. Solche Zahlungen sollten allerdings die Ausnahme bleiben, sonst gewöhnt sich ihr Kind daran, immer mehr zu fordern und es auch zu bekommen. Es ist wichtig, dass Kinder Ihr Geld selbständig einzuteilen lernen. Das ist nur möglich, wenn klar geregelt ist mit welchem monatlichen Betrag Ihr Junior einen klar bestimmten Teil seiner Ausgaben selber bestreiten muss. Bestehen Sie bei Sonderzuschüssen unbedingt darauf, dass diese zurückbezahlt werden. Sobald sich Ihr Kind daran gewöhnt, dass ein Darlehen nicht zurückbezahlt werden muss, besteht die Gefahr, dass es auch im Erwachsenenalter Zahlungstermine für Leasingraten verpasst oder sich gar mit Kleinkrediten verschuldet.

   

Wie viel Taschengeld soll ich bezahlen? 

Die Frage, die sich allen Eltern stellt, ist wie viel sie den Kindern auszahlen sollen. Eine neue Studie von IHA-GfK zeigt den durchschnittlichen Betrag, den Jugendliche im Alter von 6 bis 17 Jahre Total pro Monat zur Verfügung haben:

 

 

Bei diesen Durchschnittswerten handelt es sich selbstverständlich nur um Vergleichswerte, welche je nach finanziellem Spielraum einer Familie zum Zuge kommen. Diese Werte können auch als Diskussionsgrundlage, bei der tatsächlichen Bestimmung des Taschengeldes, dienen.

Wie bereits erwähnt, kann es für die Erziehung des Kindes wertvoll sein, wenn bereits ab dem 1. Schuljahr ein Sackgeld ausbezahlt wird. Einteilen will gelernt sein, darum sollte man mit wöchentlichen Zahlungen beginnen und erst später zu monatlichen Zahlungen übergehen.

 
Wie wird das Taschengeld verwendet?
 

Jetzt wissen wir ungefähr wie viel ein Kind im Durchschnitt erhält. Für was wird das Sackgeld nun aber tatsächlich ausgegeben? Den Umgang mit den Finanzen zu erlernen, heisst immer auch verzichten zu lernen. Sollte Ihr Junior nach einem Tag schon alles in Süßigkeiten investiert haben, macht ihm das wohl auch in Bezug auf die Finanzen bald einmal Bauchweh! Nur wer den "Wert" eines Verzichts erfährt, lernt sein Geld während des laufenden Monats geschickt einzuteilen.

In der abgebildeten Grafik (Quelle: IHA-GfK Studie), erhalten Sie einen Überblick der durchschnittlichen Verwendung des Sackgeldes. Das "nicht verwendete" Geld wird mittelfristig für grössere Anschaffungen beiseite gelegt.


In der Grafik ist klar ersichtlich, dass jede Altersgruppe spezifische Bedürfnisse hat. Die Jüngeren sind verrückt nach Süßigkeiten während die Älteren viel für Ausgang und Kleider ausgeben. Der Anteil des kurzfristig nicht verwendeten Teils ist bei den Jüngsten am höchsten. Trotzdem muss man lernen, Geld richtig einzuteilen, denn auch die Jüngsten werden älter...


Mit dem Budgetrechner Junior, können Jugendliche selbständig oder gemeinsam mit den Eltern ihr eigenes Budget erstellen.


Quelle: "Taschengeld in der Schweiz", Studie des Instituts für Marktforschung IHA-GfK in Hergiswil (LU). Diese Studie wurde von Ende Januar bis Anfang Februar 2006 bei Kindern und Jugendlichen von 6-17 Jahre durchgeführt. Total wurden 1713 Kinder einbezogen.

Wie Jugendliche und Eltern damit umgehen?

Jugendliche

Rubén Bachmann, 20, Buchhalter: "Das Geld hat mich ein wenig bequem gemacht."
Für sein Hobby hat der 20-jährige Rubén Bachmann aus Bättwil bei Basel schon viel ausgegeben. Auf 16'000 Franken schätzt er den Betrag, den er über die letzten Jahre in sein Equipment als Gittarist der Band Aiph gesteckt hat. Eben erst hat er sich auf Ebay ein Effektgerät für 700 Franken gekauft.
Bachmann kann sich etwas leisten, denn nach der Lehre als Kaufmann hat er nur 3'500 Franken monatlich zur Verfügung. Aber er weiss, dass die momentane Lage auch trügerisch ist. So wohnt er noch zu Hause, wo er zwar einen finanziellen Beitrag leistet, aber doch günstig lebt. "Ich geniesse die Situation, dass ich momentan gut bei Kasse bin". Deswegen hebt er aber nicht ab - schliesslich arbeitet er in der Buchhaltung. Als er merkte, dass er mit dem vollen Lohn überfordert war, besorgte er sich im Internet Beratungsliteratur über Budgetplanung. Seither führt er drei Konten: eines für die Steuern, eines für die Ersparnisse, eines für die täglichen Ausgaben - die zugenommen haben. In der Lehre habe er sich das Mittagessen jeweils noch von zu Hause mitgenommen - "heute nicht mehr, da hat mich das Geld doch ein wenig bequem gemacht".

Weitere Beispiele aus dem Beobachter 07/06 finden sie hier.

Eltern

Den Wert von Geld kennen
Suzanne, 39, 1 Kind: "Es ist sehr wichtig für einen Jugendlichen, selber eine kleine Summe Geld bewirtschaften zu können und für einen Teil des Budgets verantwortlich zu sein. Nur auf diese Weise kann der Umgang mit Geld erlernt werden. Die Konsequenzen von nicht eingeplanten Mehrausgaben werden einem "im Kleinen" bewusst. Einmal auf den Ausgang verzichten zu müssen ist zudem nicht existenzbedrohend und nur so kann ein Jugendlicher den Wert von Geld erkennen".

Weitere Beispiele finden sie hier.

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