Tscherina Janisch, 15, Schülerin: «Wir probieren Sachen an und lachen»
40 Franken hat Tscherina Janisch aus Maladers GR monatlich zur Verfügung. Dass sie mit diesem Betrag nicht alle Ausgaben bestreiten muss, versteht sich von selbst - für die Reitstunden kommen die Eltern auf, und einen Teil der Reitausrüstung hat sie sich zu Weihnachten gewünscht. So oder so kann die Gymnasiastin auf Dinge verzichten. Das Handy, das vor einem halben Jahr in den Fluss fiel, hat sie nicht ersetzt. Sie komme auch gut ohne MP3-Player aus. Als Konsumverweigerin sieht sie sich aber nicht. «Ich gehe gerne in Läden und schaue mir an, was es gibt. Entdecke ich etwas, das mir gefällt, und stimmt auch der Preis, greife ich zu.» Dabei muss die Qualität nicht unbedingt top sein; auch auf Marken schaut sie wenig. Am liebsten geht sie mit Freundinnen auf Shoppingtour. «Wir probieren Sachen an und lachen, wenn es ganz verrückte Kleider sind, die für uns eh nicht in Frage kommen.» Es gebe unter ihnen keine, die immer das Neuste haben müsse. Das vermindere auch für sie den Druck. Mit Putzen will sie sich im Sommer etwas dazuverdienen. Und wenn sie ganz viel Geld zur Verfügung hätte? Dann würde sie für einen guten Zweck spenden und eine Reise zu ihrem Götti nach Florida machen.
Lukas Kuster, 17, Lehrling: «Ich brauche nicht zehn Paar Schuhe»
Sparsam sei er, aber nicht geizig, sagt Lukas Kuster über sein Konsumverhalten. Er absolviert in der Zentralbibliothek Zürich eine Lehre als Informations- und Dokumentationsassistent. Er wohnt bei den Eltern im Zürcher Oberland und pendelt täglich mit dem Zug. Nach seiner monatlichen Finanzplanung gefragt, nimmt er ein Stück Papier hervor, auf dem die Eckdaten fein säuberlich notiert sind: Lohn im zweiten Lehrjahr 981 Franken, Abgaben zu Hause etwa 350 Franken, 250 Franken gehen aufs Sparkonto, die restlichen knapp 400 Franken gibt er aus. Sparen ist ihm wichtig: «Nach Ende der Lehre will ich mir etwas Grösseres leisten, ein Auto vielleicht.» Die Ausgaben habe er im Griff. So nimmt er in den Ausgang eine bestimmte Summe mit: 50 bis 80 Franken. Sind die ausgegeben, ist Feierabend. Auch beim Kleiderkauf gibt er sich preisbewusst. Deshalb verzichtet er auf teure Marken. «Ich brauche auch nicht zehn Paar Schuhe.» Der Computer darf schon etwas mehr kosten: Schnell muss er sein, damit sich damit gamen lässt. Dafür schreibt der Lehrling auch SMS vom Rechner aus und kommt deshalb mit einem günstigen Prepaid-Handy aus. So gerät er selten in die roten Zahlen.
Quelle: Beobachter 07/06 "Sackgeld: wie Jugendliche damit umgehen"
Philomène und Juliette, 11
Philomène und Juliette sind sehr gute Freundinnen. Bei Ihnen läuft alles ziemlich ähnlich ab. Sie erhalten 5 Franken Sackgeld pro Woche, gehen ein oder zwei Mal pro Monat am Freitagnachmittag shoppen, kaufen sich kleine Schmucksachen, geben 2 Franken für den Photoautomaten aus um sich die Bilder mit Kameraden zu teilen oder haben Lust auf das gleichen T-Shirt. "Wenn wir mit Freundinnen in die Stadt fahren, sprechen wir zuvor ab, wieviel Geld wir mitnehmen". An Weihnachten passiert es oft, dass Freundinnen sich etwas schenken. Letztes Jahr war es "edle Seife". Philomène gibt weniger aus um sich später ein Fahrrad zu kaufen. Im Allgemeinen, zeigt sie ihre Einkäufe ihrer Mutter: "Manchmal sagt Mutter klar und deutlich, dass ich "Ramsch" gekauft habe".
Juliette erhält seit der 2./3. PrimarschuleTaschengeld: "Ich habe meinen Eltern gesagt, dass alle meine Freundinnen Sackgeld erhalten. Das hat seine Wirkung nicht verfehlt". Sie gibt ihre 20 Franken meist umgehend aus. "Manchmal ist meine Mutter nicht zufrieden. Sie sagt, dass ich mein Geld zu schnell ausgebe". Und wie erklärt Juliette dieses Phänomen? "Ich brauche das Zeugs nicht wirklich. Aber ich shoppe halt fürs Leben gern".
Quelle: L'Hebdo Nr. 14 vom 6.April 2006